Google boykottieren?
Gestern kam ein Kollege zu mir ins Büro, als ich zufällig gerade am “googlen” war. Anstatt sein eigentliches Anliegen vorzutragen, erzählte er mir, dass er beschlossen habe, Google ab sofort für unbestimmte Zeit zu boykottieren. Warum? Weil Google BMW aus seinen Suchindex gestrichen habe (eine ganz gute Zusammenfassung finden Sie hier). Und Automobile.de. Und Ricoh.de. Und dann wäre da ja noch die Story mit Googles Selbstzensur für den chinesischen Markt. Jedenfalls, so mein Kollege, er boykottiert Google.
Die Frage die ich mir bei der Angelegenheit stelle… wer ist den nun der “Böse”? Firmen, die Suchmaschinen-Optimierung betreiben? Oder Google? Tatsache ist, das kein Webangebot das Recht hat, bei Google gelistet zu sein. Es sei denn, es zahlt dafür. Ansonsten macht Google ja den ganzen Sermon nur, weil sich hier eine klassische win-win-Situation ergibt. Und Google stellt halt Regeln auf. Das ist auch erst mal völlig rechtens. BMW hat die Regeln übertreten. Also raus! So einfach ist das! So einfach?
Missbraucht Google hier nicht seine Quasi-Monopolstellung? Das Tragikomische an der Angelegenheit ist nämlich die Tatsache, dass BMW nun klein beigibt, seine sog. Door-Way Seiten entfernt hat und eben nun nach Möglichkeiten sucht, innerhalb Googles Regeln trotzdem einen guten Pagerank zu behalten. Seit heute morgen ist dann auch BMW wieder bei Google gelistet. Ganz oben - nur so nebenbei. Was macht also BMW? Es optimiert seine Webseiten auf Google. Wie schon vorher. Nur eben mit anderen Mitteln. Was also soll der ganze Unsinn, raus und wieder rein?
Letzlich profitiert haben kurzfristig beide Firmen. Sie sind ins Gespräch gekommen. Geschickte Marketingstrategie? Oder nur gutes Krisenmanagement?
Lasst mich doch mal ein wenig träumen… Nehmen wir mal an, dass in nicht allzu ferner Zukunft ein zweiter Suchmaschinen-Anbiet zu einer ernsthaften Konkurrenz zu Google heranwächst. Nehmen wir weiterhin an, dass die beiden konkurrierenden Indizes sich gegenseitig ausschliessende Regeln aufstellen, nach denen Webseiten optimiert sein können. Muss sich dann die Netzwelt entscheiden? Hü oder Hott? Aber ich träume ja nur, sowas wird nie kommen. Oder?



Hallo Taluno
bin bei der Suche nach Seiten die mit “boykottiert google” bei Suchmaschinen aufgelistet werden auf deinen Blog gestossen. Es sind bei Google.ch gerade mal 80!
Ich persönlich erwäge im Moment gerade einen dauerhaften Boykott von Google. Warum?
Zum einen spielen die Überlegungen, die dein Kollege gemacht hat eine Rolle. Mich haben in der Tat auch diese Boykotte von Seiten Googles aufgerüttelt. Google bringt einen traditionellen Autohersteller dazu, nach seiner Pfeife zu tanzen. In diesem Fall ein medienwirksames “wer-hat-den-längeren”-Spiel, dass zu Gunsten von Google entschieden wurde. Was aber, wenn Google beginnt andere Inhalte zu boykottieren? Von kleineren Firmen oder privaten, die sich nicht so medienwirksam inszenieren können? Die Welt wird es nie mitbekommen wie im Fall von BMW, da ja alle über Google suchen.
Ausserdem verfolge ich seit geraumer Zeit die expansive Geschäftspraktik von Google. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass über einen Firmeneinkauf oder ein neues Produkt berichtet wird. Bei letzterem handelt es sich immer um Software, die in irgendeiner Weise Informationen aufbereitet und sie in handlichen Häppchen mit allem Schnickschnack zurückliefert. Und immer gratis! for free! no charge! gratuite! gratuitus! Der gemeine Bürger vergisst ob soviel Spendierlaune von Google glatt, dass er soeben über desktop.google.com den Inhalt der gesamten Festplatte auf einem Googleplex-Server in Übersee indexiert hat.
Mir wird der ganze Laden suspekt!
Googles Motto lautet “Do no evil”. Diesen Grundsatz haben sie meiner Meinung nach bereits gebrochen und sind für mich somit nicht mehr vertrauenswürdig. Bei einem Unternehmen dieser Grössenordnung bleibt da nur noch: Finger weg!
Eigentlich schade… habe Google mal als nette, kleine Internethilfe gemocht.
Gruss
Jonas
Kommentar von Jonas — 2. Mai 2006 @ 13:55