26. Jun. 2019
Molli -Bahn im Abendlicht

Molli

Molli -Bahn im Abendlicht Zugegeben, als ich das erste Mal von „Molli“ hörte, dachte ich an einen Hund, eine Katze, ein Plüschtier, irgendeine Zeichentrickfigur. Jedoch nicht, dass dieser Begriff für eine Schmalspurbahn an der Ostseeküste Deutschland stehen würde. Und ganz falsch liege ich mit meiner Assoziation nicht: es ist eine Anekdote überliefert, dass Molli der Name eines Hundes ist, den eine ältere Dame vor gut 100 Jahren auf eben jener Schmalspurbahn begleiten sollte – aber nicht wollte. Er riss dann bellend aus, gerade als der Zug anfuhr. Erschrocken soll die alte Dame gerufen haben: „Molli, bleib stehen!“ – Weil jedoch der Lokführer geglaubt hatte, er und seine Bahn wären gemeint, leitete er eine Vollbremsung ein. Seitdem heisst die kleine Bäderbahn im Volksmund „Molli“.

Im Juni 2019 hatte ich die Gelegenheit, eben jenes liebenswerte Dampflok-Relikt aus der DDR-Zeit kennenzulernen. Und weil die Molli-Bahn auch Ferienwohnungen in ihren Bahnhöfen vermietet, schlief ich sogar zwei Nächte direkt am Bahnsteig Heiligendamm und konnte noch im Schlafanzug aus dem Fenster die ersten Bilder der Bahn knipsen. Es ist – für Eisenbahn-Liebhaber wie mich – ein Segen, dass der politische Wille und das nötige Geld vorhanden war, dieses Kleinod zu erhalten. Die ursprünglich als reine Touristik-Bahn gebaute Verbindung zwischen Kühlungsborn und Bad Doberan ist natürlich ein Urlauber-Magnet. Aber sie übernimmt auch ganz normale Aufgaben im Netz des öffentlichen Verkehrs als Pendlerstrecke westlich von Rostock. Schade nur, dass Einzelfahrten tariflich nicht in den Verkehrsverbund Warnow (rund um Rostock) eingegliedert sind – man benötigt eigene Fahrkarten. Aber als Urlauber kann ich das verschmerzen.

Molli läuft auf einer Spurweite von 900 mm. Zum Vergleich: Viele Strassenbahnen in Deutschland und der Schweiz laufen „breiter“, nämlich auf 1000 mm. Im Sommer fahren tagsüber stündliche Züge, gegen 19 Uhr Abends ist dann jedoch Schluss. Im Winter verkehren die Züge alle zwei Stunden. Gezogen werden die Waggons ausschliesslich von 1’D’1-Dampflokomotiven. Drehscheiben hat die Bahn nicht, was dazu führt, dass in Richtung Kühlungsborn Tender voraus gefahren wird. In Heiligendamm kreuzen die Züge während der Sommermonate, die Strecke ist ansonsten eingleisig. Die Mollibahn verfügt über 5 Lokomotiven der Baureihe 99.23. Dabei ist eine dieser fünf Dampflokomotiven ein Nachbau aus dem Jahre 2009, die anderen vier Loks sind hingegen echte historische Fahrzeuge.

Für mich ging ein kleiner Traum in Erfüllung, als wir während zwei Tagen immer wieder mit dieser sympathischen Eisenbahn unterwegs waren. Alleine die Geräusche der Lokomotiven, wenn sie beschleunigen! Oder der Geruch aus Kohlefeuer, Öl, Wasserdampf, den man mit voller Wucht in die Nase bekommt, wenn man auf der Plattform des Waggons direkt hinter der Lokomotive steht. Oder eben die Rauchfahne, die während der Fahrt über der Strecke steht, in der sich die Sonnenstrahlen brechen! Und wenn das Triebgestänge und die Zylinder ihre Arbeit verrichten! Ein Genuss für alle Sinne! Ich finde es auch äusserst faszinierend, dass man nach über 50 Jahren Pause in Deutschland wieder eine Dampflokomotive neu gebaut hat. Auf den ersten Blick, sieht sie auch aus wie ihre alten Geschwister, erst auf den zweiten Blick erkennt man kleinere Konstruktionsverbesserungen und auch, dass vieles nicht genietet, sondern geschweisst worden ist.

  • Mollibahn, Detail an Lok 99.23
  • Mollibahn, Detail an Lok 99.23
  • Mollibahn
  • Die Moliibahn fährt mitten durch Bad Doberan
  • Millibahn, Herstellerschild an der nachgebauten Lok
  • Mollibahn
  • Die Mollibahn entlang der Lindenallee zwischen Heiligendamm und Bad Doberan
  • Mollibahn - Innenansicht Waggon
  • Mollibahn
  • Morgens am Bahnhof Heiligendamm
  • Morgens am Bahnhof Heiligendamm
  • Mollibahn im Abendlicht
  • Mollibahn
  • Mollibahn
  • Molli -Bahn im Abendlicht

Leider hatte ich in diesem Urlaub nicht meine grosse Kamera dabei, sondern nur eine kleine Lumix. Aber manch Foto ist dann doch zu meiner Zufriedenheit geworden.

16. Feb. 2019

Zermatt

Ich bin kein Skifahrer. Dieser Sport wurde mir irgendwann zu teuer, so dass ich vor gut 10 Jahren beschloss, dieses Hobby aufzugeben. Dennoch geniesse ich es, ab und zu in den den winterlichen Bergschnee eintauchen zu können. In diesem Jahr sollte es Zermatt sein. Einmal im Leben am Matterhorn sein, das motivierte uns zu diesem kurzen Winterurlaub.

Und eins muss man all den Werbetextern und Marketingfritzen lassen: Dieser Berg ist schon ein Prachtstück. Ein ganz besonderer Anblick, wie diese „Toblerone“ doch recht präsentativ im restlichen Bergpanorama rund um Zermatt dasteht.

Als wir am ersten Urlaubstag nachmittags in Zermat ankammen, war es recht bewölkt. Wir konnten diesen Berg also noch nicht entdecken. Am nächsten Morgen jedoch begrüsste uns die orangrote Spitze des Matterhorns im ersten Licht der Morgensonne. Und das direkt durchs Fenster in unserem Zimmer in der Jugendherberge. Klasse!!

Die folgenden drei Tage waren dann Wintertraum pur. Wir spazierten durch funkelnden Schnee, verschneite Kiefer- und Lärchenwälder und über traumhafte Schneematten. Zwei Tage waren wir normal mit Bergstiefeln unterwegs, einen Tag schnallten wir uns zusätzlich noch Schneeschuhe darunter. So bekamen wir viel Sonne, viel Schnee und viel Matterhorn ab.

Für mich als kleiner Pufferküsser und Eisenbahnfreund waren natürlich auch die Fahrten mit der Matterhorn-Gotthart-Bahn und der Gornergratbahn ein Erlebnis. Beide Eisenbahnen laufen auf Meterspur, es kommt Zahnrad zum Einsatz. Speziell bei derGornergratbahn ist das Drehstrom-System, was zu Folge hat, dass die Fahrzeuge über zwei nebeneinanderliegende Stromabnehmer verfügen, die den 750V-Drehstrom aus zwei Fahrleitungen entnehmen.

Zermatt selbst, so wird geworben, ist autofrei. Das mag stimmen. Wer aber nun denkt, dass dieses 5000-Einwohner-Dorf verkehrsarm ist, der irrt gewaltig. Statt Autos summen überall batteriebetriebene Elektrofahrzeuge durch die Strassen, welche oft ohne Trottoir angelegt sind. Als Fussgänger muss man also dauernd auf der Hut sein. Schade, schade.

Ebenfalls verbesserungsfähig finde ich die Beschilderung auf dem Berg für Winterwanderwege und Schneeschuhtrails. Vor allem die „Einstiege“ in die entsprechenden Wege oder Pisten an den Bergstationen der verschiedenen Seil- oder Zahnradbahnen ist oft schwierig und liess uns zu regelrevchten Pfadfindern werden. Da merkt man, dass die Bergbahnen doch noch sehr stark auf Skifahrer ausgerichtet sind, andere Besucher werden etwas vernachlässigt.

Dennoch: Vier Tage, die mein Erholungsbedürfnis nachhaltig sättigen konnten!!

31. Okt. 2018

Trams aus aller Welt: Konya

Aus meiner recht unregelmässigen Reihe „Trams aus aller Welt“ stelle ich heute vor: Konya. Konya?? Wo soll denn das sein? Nun, Konya ist eine Millionenmetropole mitten in der Türkei, etwa 200 km südlich von Ankara. Ich hatte vor einigen Wochen dort einige Stunden Aufenthalt während meines Urlaubs, als wir von Antalya nach Kappadokien hinein gefahren waren.

Die Strassenbahn in Konya läuft auf einem Normalspur-Netz (1435 mm) mit modernen Škoda Fahrzeugen. Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass die Tramzüge streckenweise ohne Oberleitung verkehren. Entlang des Mevlânâ-Museums und der historischen Altstadt baute man die Oberleitung ab, um das Stadtbild zu erhalten. Gefahren wird der Abschnitt mit Batterie. Auf dem ersten Bild erkennt man das Ende der Oberleitungsstrecke, ebenfalls kann man sehen, wie einer der beiden Wägen gerade den Stromabnehmer senkt. Dort wo Oberleitung verwendet wird, hat man (zumindest im inneren Stadtbereich) recht formschöne Masten aufgestellt.
Kleines Detail am Rande: auch türkische Tram-Chauffeure grüssen zuweilen einen Fotografen (letztes Bild) 😉

1. Apr. 2015

Sturmfahrt

Anzeigetafel Bahnhof Ulm  31.03.2015

Anzeigetafel Bahnhof Ulm 31.03.2015

Es war mir von vornherein klar, dass es etwas länger dauern würde als sonst. Denn es hatte über Nacht gestürmt und waagrecht geregnet. Und auch am Vormittag war es noch sehr windig, mit immer wieder auftretenden Sturmböen.

Ich (wollte) musste von Augsburg wieder nach Zürich zurück fahren. Ein Besuch bei den Eltern war sowieso schon eine Nacht länger ausgefallen als ursprünglich geplant. Als liess ich mich zum Augsburger Hauptbahnhof chauffieren in der Hoffnung, dass es nicht allzu schlimm kommen würde.

Ach….

Schon am Ausgburger Bahnhof um ca. 13 Uhr hätte ich wohl besser kehrt gemacht. Denn mein geplanter Zug wurde auf der grossen Anzeigetafel mit „fällt aus“ angezeigt. Stattdessen nahm ich dann einen Nahverkehrszug nach Ulm. Zwei Stunden später kam ich dann dort an. Und musste feststellen, dass zwar eine Weiterfahrt möglich war, aber dass ich erst einmal 45 Minuten warten durfte. Voraussichtlich!

Nun ich machte das beste daraus, ging ein wenig fotografieren und beobachtete einfach die vielen Leute, welche die Bahnhofshalle bevölkerten. Mittlerweile hatte sich herumgesprochen, dass die Deutsche Bahn den Fernverkehr komplett eingestellt hatte, und dass – wenn überhaupt – nur regionale Züge verkehren würden. Die Menschen konnte man in drei Gruppen einteilen. Die erste Gruppe war einfach nur müde und apathisch. Diese Leute sassen oder standen einfach nur mit leeren Gesichtern und glasigen Augen da. Die zweite Gruppe – zu der ich auch mich zählte – machten mit einer stoischen Gelassenheit einfach das beste aus der Situation und suchten nach einem Weg, irgendwie die Lage zu meistern. Eine dritte Gruppe jedoch zeigte massive Stress-Symptome. Ich konnte beobachten, wie Leute in der langen Doppelschlange vor dem Informationsschalter handgreiflich wurden.

Um 16 Uhr dann rollte ich mit einem typischen Doppeldecker-Bummelzug von Ulm aus in Richtung Bodensee. Der Zug hatte als Ziel Lindau angeschrieben. Ich hatte vor, in Friedrichshafen auszusteigen und dann dort weiter zu sehen.

Dort musste ich der freundlichen Dame am Infoschalter erst einmal erzählen, dass die Fähre über den Bodensee wegen Sturm nicht verkehrt. Sie wusste das nämlich nicht, ich hingegen hatte schnell mobil auf der Webseite der Bodenseeschifffahrt nachgesehen. Ich bekam dann immerhin einen Schienenbus nach Radolfzell, der Zug verliess Friedrichshafen um 18:30 Uhr.

In Radolfzell stand ich vor der Frage, ob ich weiter nach Singen oder nach Konstanz fahre. Ich entschied mich für Singen. Ausnahmsweise war die Wartezeit für diesen Zug kurz, nur 10 Minuten stand ich auf einem kalten windigen Bahnsteig.

In Singen jedoch – es war inzwischen um die 20:30 Uhr – ging es dann nicht mehr weiter. Leider verfügt dieser Bahnhof weder über einen Informationsschalter noch über eine zentrale grosse Anzeigetafel. In meinen Augen ein Armutszeugnis für einen Bahnhof, der eine Stadt mit knapp 50.000 Einwohnern anbindet. Eine Lautsprecher-Durchsage informierte uns gestrandete Fahrgäste, dass es irgendwann einen Ersatzbus nach Schaffhausen geben soll. Zugverkehr dorthin sei aufgrund eines Fahrleitungsschadens nicht möglich. Nachdem ich dann eine gute halbe Stunde gewartet hatte, merkte ich, wie meine Nervenkostüm nun doch langsam immer dünner wurde. Die lange Fahrt, einsetzender Hunger und aufkommende Müdigkeit machten mich ungeduldig, sauer und ärgerlich.

Also entschied ich mich, zusammen mit anderen Reisenden ein Taxi nach Schaffhausen zu nehmen. 15 Euro ärmer kam ich dann dort am Bahnhof an, stieg in einen pünktlichen Zug der SBB und rollte dann bequem nach Zürich. Gegen 22:30 kam ich dann dort an. Meine Reise, die eigentlich gute 4 Stunden dauern sollte, hatte sich nun also auf über 9 Stunden ausgedehnt. Bravo, Bravo.

Daheim durfte ich dann noch bemerken, dass mir auf der Fahrt eine schöne Obstschale aus Porzellan zerbrochen war, die ich von Augsburg mitgenommen hatte. Natürlich kann ich dafür nur mich selbst verantwortlich machen, aber ich wage einmal zu behaupten, dass dies bei einer normalen Zugfahrt mit weniger Umsteigereien und Bahnhofs-Wartezeiten wohl nicht passiert wäre.

 

14. Feb. 2015

Zürcher Streiflichter 5

…heute mit dem Swissmill-Güterzug entlang der Hardbrücke nahe dem Escher-Wyss-Platz.

 

 

Der Zug fährt auf diesem Streckenabschnitt mitten auf der Strasse. Fussgänger, Autos und Fahrräder müssen erst einmal weg gescheucht werden, damit die Diesellok freie Fahrt hat. Aufgefallen ist mir an dieser Lokomotive der fehlende Dieselgeruch und das leise Motorengeräusch. Die Maschine der SBB Am 843 ist echt gut gefiltert, man riecht faktisch nichts. Und auch das dezente Brummen der Maschine deutet nicht darauf hin, dass da immerhin ein 1700-kW-Aggregat arbeitet.