Sturmfahrt

Anzeigetafel Bahnhof Ulm  31.03.2015

Anzeigetafel Bahnhof Ulm 31.03.2015

Es war mir von vornherein klar, dass es etwas länger dauern würde als sonst. Denn es hatte über Nacht gestürmt und waagrecht geregnet. Und auch am Vormittag war es noch sehr windig, mit immer wieder auftretenden Sturmböen.

Ich (wollte) musste von Augsburg wieder nach Zürich zurück fahren. Ein Besuch bei den Eltern war sowieso schon eine Nacht länger ausgefallen als ursprünglich geplant. Als liess ich mich zum Augsburger Hauptbahnhof chauffieren in der Hoffnung, dass es nicht allzu schlimm kommen würde.

Ach….

Schon am Ausgburger Bahnhof um ca. 13 Uhr hätte ich wohl besser kehrt gemacht. Denn mein geplanter Zug wurde auf der grossen Anzeigetafel mit „fällt aus“ angezeigt. Stattdessen nahm ich dann einen Nahverkehrszug nach Ulm. Zwei Stunden später kam ich dann dort an. Und musste feststellen, dass zwar eine Weiterfahrt möglich war, aber dass ich erst einmal 45 Minuten warten durfte. Voraussichtlich!

Nun ich machte das beste daraus, ging ein wenig fotografieren und beobachtete einfach die vielen Leute, welche die Bahnhofshalle bevölkerten. Mittlerweile hatte sich herumgesprochen, dass die Deutsche Bahn den Fernverkehr komplett eingestellt hatte, und dass – wenn überhaupt – nur regionale Züge verkehren würden. Die Menschen konnte man in drei Gruppen einteilen. Die erste Gruppe war einfach nur müde und apathisch. Diese Leute sassen oder standen einfach nur mit leeren Gesichtern und glasigen Augen da. Die zweite Gruppe – zu der ich auch mich zählte – machten mit einer stoischen Gelassenheit einfach das beste aus der Situation und suchten nach einem Weg, irgendwie die Lage zu meistern. Eine dritte Gruppe jedoch zeigte massive Stress-Symptome. Ich konnte beobachten, wie Leute in der langen Doppelschlange vor dem Informationsschalter handgreiflich wurden.

Um 16 Uhr dann rollte ich mit einem typischen Doppeldecker-Bummelzug von Ulm aus in Richtung Bodensee. Der Zug hatte als Ziel Lindau angeschrieben. Ich hatte vor, in Friedrichshafen auszusteigen und dann dort weiter zu sehen.

Dort musste ich der freundlichen Dame am Infoschalter erst einmal erzählen, dass die Fähre über den Bodensee wegen Sturm nicht verkehrt. Sie wusste das nämlich nicht, ich hingegen hatte schnell mobil auf der Webseite der Bodenseeschifffahrt nachgesehen. Ich bekam dann immerhin einen Schienenbus nach Radolfzell, der Zug verliess Friedrichshafen um 18:30 Uhr.

In Radolfzell stand ich vor der Frage, ob ich weiter nach Singen oder nach Konstanz fahre. Ich entschied mich für Singen. Ausnahmsweise war die Wartezeit für diesen Zug kurz, nur 10 Minuten stand ich auf einem kalten windigen Bahnsteig.

In Singen jedoch – es war inzwischen um die 20:30 Uhr – ging es dann nicht mehr weiter. Leider verfügt dieser Bahnhof weder über einen Informationsschalter noch über eine zentrale grosse Anzeigetafel. In meinen Augen ein Armutszeugnis für einen Bahnhof, der eine Stadt mit knapp 50.000 Einwohnern anbindet. Eine Lautsprecher-Durchsage informierte uns gestrandete Fahrgäste, dass es irgendwann einen Ersatzbus nach Schaffhausen geben soll. Zugverkehr dorthin sei aufgrund eines Fahrleitungsschadens nicht möglich. Nachdem ich dann eine gute halbe Stunde gewartet hatte, merkte ich, wie meine Nervenkostüm nun doch langsam immer dünner wurde. Die lange Fahrt, einsetzender Hunger und aufkommende Müdigkeit machten mich ungeduldig, sauer und ärgerlich.

Also entschied ich mich, zusammen mit anderen Reisenden ein Taxi nach Schaffhausen zu nehmen. 15 Euro ärmer kam ich dann dort am Bahnhof an, stieg in einen pünktlichen Zug der SBB und rollte dann bequem nach Zürich. Gegen 22:30 kam ich dann dort an. Meine Reise, die eigentlich gute 4 Stunden dauern sollte, hatte sich nun also auf über 9 Stunden ausgedehnt. Bravo, Bravo.

Daheim durfte ich dann noch bemerken, dass mir auf der Fahrt eine schöne Obstschale aus Porzellan zerbrochen war, die ich von Augsburg mitgenommen hatte. Natürlich kann ich dafür nur mich selbst verantwortlich machen, aber ich wage einmal zu behaupten, dass dies bei einer normalen Zugfahrt mit weniger Umsteigereien und Bahnhofs-Wartezeiten wohl nicht passiert wäre.

 

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